Ein großer Grund dafür, dass Schüler und Schülerinnen die Berufsorientierung an Ihrer Schule als mangelhaft bewerten ist, dass ein Großteil der Berufsorientierungsmaßnahmen an ihren individuellen Bedürfnissen vorbei zielt.

Die klassische Form der Berufsorientierung, die wir heute immer noch an vielen Gymnasien sehen, konzentriert sich auf die Vermittlung von Informationen durch Vorträge. Das heißt, Schüler und Schülerinnen werden im Rahmen der Berufsorientierung zu einer Reihe von Berufsinformationsveranstaltungen eingeladen, bei denen sie still auf ihren Plätzen sitzen und passiv zuhören.

Veranstaltungen wie diese sind zwar gut gemeint, aber werden von den Schülern als „langweilig und uneffektiv“ wahrgenommen.

Im Marketing gibt es einen wichtigen Grundsatz: Wer seine Kunden erreichen will, muss die Sprache der Zielgruppe sprechen. Der gleiche Grundsatz lässt sich auf die Berufsorientierung an Schulen anwenden: Wer Schüler erreichen will, muss die Sprache der Schüler sprechen.

Was wir in den letzten zwei Jahren in der Zusammenarbeit mit knapp 1000 Schüler und Schülerinnen festgestellt haben ist: Jugendliche wünschen sich authentische und praxisnahe Informationen, die Ihnen in einem passenden Rahmen präsentiert werden. Und der passende Rahmen für Jugendliche der digitalen Generation (geboren zwischen 1992-2002) ist ein Erlebnis.

Was Erlebnisse so speziell für Jugendliche macht, ist das hier: Es geht um mehr als das Event. Es geht um das Gefühl und die Emotionen, die durch das Event ausgelöst werden. Es bewegt Jugendliche in ihrer Gesamtheit, das heißt körperlich, geistig, seelisch und vor allem emotional. Bei Erlebnissen sind die Jugendlichen zusammen mit anderen jungen Menschen, fühlen sich verbunden und schließen vielleicht sogar neue Freundschaften – und da kommt selbst die besten PowerPoint-Präsentationen einfach nicht mit.

Was bedeutet das konkret für Sie und Ihre Berufsorientierung?

Es bedeutet konkret, dass Berufsorientierung an Gymnasien erlebbarer werden muss. Sie muss sich weg von der trockenen Informationsvermittlung und systemischen Berufsvorbereitung und hin zu einer handlungs-und erlebnisorientierten Berufsorientierung mit praxisnaher Selbsterfahrung entwickeln. Eine handlungs-und erlebnisorientierte Berufsorientierung spricht dabei alle Ebenen der Schüler und Schülerinnen an: Hirn, Herz und Hand. Je mehr Sinne bei den Schülern und Schülerinnen angesprochen werden, desto mehr prägen sich die relevanten Information im Gehirn ein und lösen einen Handlungsimpuls aus.

Insofern können Erlebnisse – z.B. in Form von Berufsorientierungstrainings, Projekttagen oder Praktika – als eine Brücke in eine nachhaltige und moderne Berufsorientierung verstanden werden. Der Erfahrungs- und Erinnerungshorizont der Schüler wird durch die Möglichkeit der praktischen Selbsterfahrung um ein Vielfaches erweitert. Die Schüler können ihre Vorstellungen von Beruf und Arbeitswelt mit der Realität abgleichen und sich selbst besser kennenlernen.

Und letztendlich sollte moderne und nachhaltige Berufsorientierung aus unserer Sicht genau das bieten: Die immer wiederkehrende Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, sodass die Entscheidung über den Weg nach der Schule im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit und nicht mit den Erwartungen anderer steht.