Wir Menschen verfügen über eine Vielzahl an Fähigkeiten. Um uns jedoch dieser bewusst zu werden, müssen die Kompetenzen eines jeden zunächst herausgefordert werden, um sie zu entdecken.

Ähnlich ist es auch beim Thema Berufsorientierung: Schülerinnen und Schüler werden viel zu früh mit der Frage nach ihrem Berufs- oder Studienwunsch konfrontiert. Bereits in der 8. Klasse sollen sie im Deutschunterricht ein Bewerbungsschreiben verfassen, während einige von ihnen noch nicht einmal herausgefunden haben, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Häufig durchlaufen sie im Prozess der Berufsorientierung ein vorgefertigtes Programm, das sie auf den bestehenden Arbeitsmarkt vorbereitet, anstatt sie in ihrer persönlichen Selbstkenntnis zu fördern.

Das Ziel einer nachhaltigen und modernen Berufsorientierung sollte es sein, Jugendliche nicht nur darauf vorbereiten, sich den aktuellen Begebenheiten anzupassen, sondern ihnen die Chance geben, diese Begebenheiten aktiv mitzugestalten.

Wie wenig eine auf breiter Basis angelegte Berufsvorbereitung mit den heutigen Berufswegen und -anforderungen gemeinsam hat, wird den Schülern erst dann bewusst, wenn sie ihre Schule bereits verlassen haben und mitten im Berufsleben stehen. Diese Erfahrung teilen nicht nur zahlreiche Berufstätige, sondern auch einige des MEIN MUTIGER WEG-Teams.

Was bedeutet das für die Berufsorientierung an Ihrer Schule?

Jedes Kind hat einen Anspruch auf individuelle Förderung, die auch dann zum Tragen kommen sollte, wenn es um die Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung geht. Dass eine systematische Berufsvorbereitung dem nicht mehr entgegenkommt, liegt auf der Hand

Deshalb ist es aus unserer Sicht entscheidend, den Schülern den Freiraum und die Möglichkeit zu geben, um ihr Potential zu erkunden und Erfahrungen sammeln zu dürfen. Denn jede Erfahrung, egal ob positiv oder negativ, ist ein Fingerzeig für das eigene Potential. Da sich Jugendliche massiv in ihrem Bewusstsein über ihre Fähigkeiten unterscheiden, ist es notwendig, individuelle und differenzierte Angebote zu bieten. Erst wenn Schüler selbstständig herausgefunden haben, wo ihre Stärken, Interessen und Wünsche liegen, können sie aktiv nach studien- bzw. berufsspezifischen Informationen suchen und sich dafür begeistern.