In unserer Zusammenarbeit mit Gymnasien haben wir herausgefunden, dass Berufsorientierung dort überdurchschnittlich erfolgreich ist, wo Gymnasien die Berufs- und Studienorientierung als einen strategischen Bildungsauftrag in ihrem Schulleitbild verankert haben.

Schulen, die nach innen (z.B. während der Lehrerkonferenz zu Beginn des Schulhalbjahres) und nach außen (z.B. auf Ihrer Homepage) klar kommunizieren, dass die Berufs-und Studienorientierung für sie einen zentralen Stellenwert im Schulalltag einnimmt, schaffen es besser, ihre Schüler auf den Weg außerhalb des Klassenzimmers vorzubereiten.

Der erste und wichtigste Schritt zum Aufbau einer nachhaltigen Berufsorientierung beginnt also beim Fundament: Die Schule muss sich zu einer Kultur der Berufsorientierung bekennen und dieses „Bekenntnis“ mit Leben füllen. Entscheidend ist dabei die Rolle der Schulleitung. Denn eine schuleigene, systematische Berufsorientierung auf- und auszubauen, sie zu verstetigen und weiterzuentwickeln, sie im Schulkonzept zu verankern und nach außen zu vertreten, ist eine Aufgabe, die nur von der Schulleitung umgesetzt werden kann.

Dafür muss die Schulleitung Verantwortliche benennen, Koordinator(inn)en oder Teams berufen und Aufgaben delegieren können. Sie kann sich Unterstützung von Eltern, der Agentur für Arbeit und weiteren außerschulischen Partner hinzuholen, aber am Ende muss sie es sein, die für die Berufs- und Studienorientierung der Schule die Verantwortung trägt und in die Schulentwicklung integriert.

Das heißt konkret: Die Berufs- und Studienorientierung muss ein fester Bestandteil der Jahresplanung der Schulleitung sein. Durch die Einbindung der Berufs- und Studienorientierung in den Schulentwicklungsprozess macht die Schule dieses Thema zu einer wichtigen Aufgabe und verankert als zentralen Bildungsauftrag.

Das bringt drei Effekte mit sich:

1. Berufsorientierung wird zur Querschnittsaufgabe: Wenn die Berufsorientierung als Aufgabe von jeder Lehrkraft verstanden und selbstverantwortlich umgesetzt wird, dann wird die Berufsorientierung zu einer Art „Allgegenwärtigkeit“ im Schulalltag. Das heißt, Berufsorientierung ist im täglichen Unterricht immer wieder präsent und wird als Querschnittsaufgabe fächerübergreifend umgesetzt.

2. Mehr Verständnis und Unterstützung des Lehrerkollegiums: An Gymnasien, die Berufsorientierung als strategischen Bildungsauftrag definiert haben, stoßen die Berufsorientierungslehrer erfahrungsgemäß auf mehr Unterstützung und Verständnis im Lehrerkollegium, zum Beispiel wenn aufgrund von Berufsorientierungsmaßnahmen Unterrichtszeit ausfällt.

3. Die Schule wird attraktiver: Ähnlich wie Unternehmen stehen auch Gymnasien immer stärker im Wettbewerb zueinander und werben aktiv um die Gunst der Eltern und damit der Schüler. Für viele Eltern ist eine moderne Berufsorientierung eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für oder gegen ein bestimmtes Gymnasium. Je besser die Berufsorientierungsaktivitäten der Schule also nach außen kommuniziert werden, desto sicherer sind sich die Eltern bei ihrer Entscheidung.